Das enorm leistungsfähige Wunderwerk Gehirn, weist eine hohe Plastizität auf, besonders in jungen Jahren. Das Gehirn verarbeitet in einem Zusammenspiel seiner unterschiedlichen Areale Töne zu Musik.

Prinzipiell gilt: jeder Mensch ist musikalisch und verfügt über ein Grundverständnis für Rhythmus und Tonhöhen. Personen mit absolutem Gehör, also jene, die die Tonhöhe eines beliebigen Tones ohne Bezugston benennen können, haben allerdings nicht nur Glück oder Talent. Diese oft angeborene Fähigkeit bewahren sich häufiger Menschen, die in einer musikalisch aktiven Familie aufwachsen. Kinder, die schon im Kindergartenalter ein Instrument lernen, haben ebenfalls bessere Chancen auf ein absolutes Gehör. Die vollkommene Tonhöhenerkennung ist also nicht nur genetisch bedingt, sondern beruht ebenso auf intensivem Training.

Wie sehr Musik die Plastizität des Gehirns verändert, sieht man bei näherer Betrachtung des Gehirns. Zahlreiche Studien, die die Gehirnstruktur von Musikern mit jener von Nichtmusikern vergleichen, erkennen neuroplastische Unterschiede. Forscher der University of Southern California beobachteten in einer Langzeitstudie die strukturellen Veränderungen des Gehirns bei Schulkindern nach zweijährigem Musikunterricht, die sie bei der nicht musikalisch aktiven Kontrollgruppe nicht erkennen konnten.[1]

[1] Childhood Music Training Induces Change in Micro and Macroscopic Brain Structure: Results from a Longitudinal Study. Habibi A et al. Cereb Cortex. 2018 Dec 1;28(12):4336-4347.